Problempferde gibt es nicht ..... - Slogan
Mein Name ist Karin Weber, seit mittlerweile 27 Jahren habe ich nichts anderes im Kopf als Pferde. Ich bin unheilbar mit dem Pferdevirus infiziert.
 
Die ersten 10 Jahre meiner Reiterkarriere waren ganz typisch, erst Longenunterricht, dann Abteilungsreiten und dann endlich die lang erwünschte Reitbeteiligung an einem wirklich lieben Stütchen namens Toska. Mit ihr bin ich stundenlang durch die Wälder und Streuobstwiesen gesträunert, oft solange dass ich von meinen Eltern in Wald und Feld eingesammelt und nach Hause geholt werden musste.
 
Ich liebte es, mit den Pferden zusammen zu sein. Nirgendwo habe ich mich wohler gefühlt. Nach einem Reitunfall, bei dem ich nicht nur neben sondern auch unter einem 1,70m Pferd landete, hatte ich ein Problem – ich konnte nicht mehr frei durch meine Wälder und Streuobstwiesen reiten – ich hatte Angst. Angst die Kontrolle zu verlieren.
 
Gleichzeitig, es ist eigentlich unglaublich, habe ich mir in den Kopf gesetzt, dass es nichts – aber auch nichts – schöneres gibt als spanische Hengste und ich eben genau solche Pferde reiten muss um glücklich zu sein. Es war Anfang der 90er Jahre. Spanische Hengste gab es nur in Zeitungen oder auf großen Shows - in Reitställen waren solche Pferde nicht zu finden. Aber diese wunderschönen Bilder…Während ich es mir zur Aufgabe machte alle Bilder von spanischen Pferden auszuschneiden und zu katalogisieren, war es endlich soweit. Ein spanischer Hengst zog ein – in unseren Stall – ich war außer mir vor Freude, verbrachte Stunden vor seiner Box und sobald die Besitzerin den Stall betrat, folgte ich ihr und ihrem Hengst wie ein Schatten auf Schritt und Tritt. Nach langem hin und her hatte ich es geschafft die Besitzerin zu beschwören - endlich durfte ich ihn reiten. Ich bekam ganz langsam das Vertrauen wieder, fand es wieder schön gemeinsam mit Ihm stundenlang durch die Landschaft zu streichen. Das Glück war nicht von langer Dauer. Pericon, mein spanischer Traum, wurde verkauft. Danach ging es weiter wie zuvor. Hier eine Reitbeteilung, da eine Reitbeteiligung „nur“ ganz „normale“ Pferde, keine spanischen Hengste. Ich war furchtbar unglücklich. Doch ich hatte wieder Glück, nach einigen Jahren, ich hatte wieder einmal die Reitbeteiligung gewechselt und war nun in einem neuen Stall, da tauchte er auf – Kuorun.
 
Ein spanischer Hengst wie er im Buch stand und so temperamentvoll wie man es sich nur vorstellen konnte!! Den Besitzer, Wolf Latta, kannte ich noch, ich hatte bei ihm einige Stunden in „wie gehe ich mit Hengsten um“ bevor ich Pericon reiten durfte. Ich knüpfte den Kontakt erneut und so kam es, das ich endlich wieder einen spanischen Hengst reiten durfte. Doch, da war sie wieder – meine alte Bekannte – die Angst. Ich dachte ich hätte es längst überwunden. Aber dieses temperamentvolle Pferd, ständig die Angst die Kontrolle zu verlieren und dann noch auf einem Hengst… Jetzt stand ich da. Auf der einen Seite meinen Traum auf der Anderen diese Angst. Ich hatte keine andere Wahl – ich musste dieses Pferd verstehen und lesen lernen. Hier fing mein eigentlicher Weg an. Ich begann mich mit allem rund um Pferde, speziell Hengste und deren Sozialverhalten auseinanderzusetzen. Ich musste verstehen warum etwas wann passiert. Nur so konnte ich einen Kontrollverlust verhindern. Natural Horsemanship war gerade im kommen. Immer mehr von diesen mysteriösen Pferdeflüsterern wurden bekannt und es fanden Kurse statt. Ja, aber ich war gerade mal Teenie, hatte einen Temperamentsbolzen von Hengst und wollte Hilfe von einem Pferdeflüsterer. Die Teenie-Hengst Kombination veranlasste jeden Trainer (!) dazu, mir den Rat zu geben, den ich so gar nicht gebrauchen konnte: “..kastrier ihn..“ – geholfen hat mir keiner – So kam es, dass ich bei möglichst vielen Trainern auf Seminaren als Zuschauer an der Bande saß um jedes Wort aufzusaugen und ihre Arbeitsweise zu studieren. Ich laß sämtliche Bücher die ich in die Finger bekam, schaute alle Videos und löcherte jeden Pferde-Mensch mit meinen 1000 Fragen. Ging dann zu meinem Pferd und kombinierte meine erworbenen Kenntnisse. Schritt für Schritt kam ich weiter und ich merkte, meine Angst wurde verschwindend kleiner. Bis heute bin ich nicht fertig mit meinen Recherchen über Pferde, Sozialverhalten, körperliche Zusammenhänge etc. Je weiter ich in die Materie hereinkomme um so bewuster wird mir: Dieses Thema "Pferd und sein Mensch" ist unerschöpflich. Von jedem Trainer und Pferde-Mensch, den ich getroffen habe, nahm ich neue Erkenntnisse mit. Von jedem kann man etwas lernen – von Anfängern wie von Profis – von Ängstlichen und Mutigen, aus dem Horsemanship, oder Springen- und Dressurreiten – überall in der Reiterei finden wir Aspekte und Ansatzpunkte die wir gerade für die Phase unserer Entwicklung brauchen können. Heute bin ich den Trainern, die mir nicht helfen wollten genau so dankbar wie den Leuten die sich immer meinen Fragen zur Verfügung stellten– denn nur durch diese Menschen war ich in der Lage mein Bauchgefühl und mein Auge so weit zu schulen. Heute möchte ich mein Bauchgefühl und mein Auge nicht mehr missen.